Schmerzen am äußeren Ellenbogen, die beim Zugreifen, Heben oder Händedruck schlimmer werden? Dazu vielleicht eine schwache, schmerzhafte Griffkraft? Dann steckt oft ein Tennisarm dahinter – und den bekommt man längst nicht nur vom Tennis. Die gute Nachricht: Die Aussichten sind gut, und Sie können selbst eine Menge tun.

Was ist ein Tennisarm?

Die Muskeln, die Hand und Finger nach oben strecken, sitzen an der Außenseite des Unterarms. Sie setzen mit einer Sehne an einem kleinen Knochenvorsprung am äußeren Ellenbogen an. Wird dieser Sehnenansatz überlastet, reagiert er gereizt und schmerzhaft – fachlich eine laterale Epikondylalgie, im Volksmund Tennisarm.

Typisch sind:

  • Schmerzen am äußeren Ellenbogen, oft ausstrahlend in den Unterarm
  • Beschwerden beim Greifen, Heben, Drehen (z. B. Türklinke, Tasse, Schraubendreher)
  • eine reduzierte, schmerzhafte Griffkraft

Betroffen sind etwa 1–3 % der Menschen – häufiger bei handwerklicher Arbeit, manchen Sportarten und bei Rauchern. Trotz des Namens ist Tennis nur eine von vielen Ursachen; meist sind es alltägliche, wiederkehrende Belastungen der Hand. Und: Ein Tennisarm ist vielschichtig – neben der gereizten Sehne spielen ein empfindlicheres Schmerzsystem und manchmal Nacken- oder Schulterthemen mit. Ein auffälliges Bild im MRT ist also nicht die ganze Geschichte – Bildgebung ist hier meist gar nicht nötig.

Die gute Nachricht: die Prognose ist gut

Das Wichtigste zuerst. According to PubMed: Eine Meta-Analyse (Ikonen, 2022), die unbehandelte bzw. Placebo-Gruppen aus Studien zusammenfasste, fand, dass sich rund 90 % der Betroffenen innerhalb eines Jahres deutlich bessern oder ganz erholen. Bemerkenswert: Die Chance auf Besserung bleibt über die Monate etwa gleich hoch – egal, wie lange die Beschwerden schon bestehen.

Für Sie heißt das: Anhaltende Beschwerden sind frustrierend, aber kein Grund zur Sorge – die Wahrscheinlichkeit, dass es wieder besser wird, bleibt hoch.

Was hilft am besten – Training

Aktive Bewegung ist der Kern der Behandlung. According to PubMed:

  • Eine große Meta-Analyse nicht-operativer Behandlungen (Kim, 2021; 58 Studien) fand, dass Physiotherapie Schmerz und Funktion verbessert – während Spritzen keine Verbesserung brachten und mehr Nebenwirkungen hatten. Übung und Physiotherapie gehören also an die erste Stelle.
  • Beim Training ist die Kräftigung der Unterarmstrecker entscheidend. Exzentrisches Training – das langsame Nachlassen gegen einen Widerstand – senkt den Schmerz und baut Kraft auf (Yoon, 2021). Der Grundgedanke: die Sehne schrittweise belasten, damit sie stärker und weniger empfindlich wird.

💪 Die Basis-Übung (exzentrisch für die Unterarmstrecker)

Unterarm aufgelegt, Handfläche zeigt nach unten, ein leichtes Gewicht (oder Theraband) in der Hand. Das Handgelenk langsam nach unten absenken (das ist der wichtige Teil), dann mit der anderen Hand zurückhelfen. Üblich sind ruhige Wiederholungen, schrittweise gesteigert. Ein leichter, gut tolerierbarer Schmerz ist dabei in Ordnung. Lassen Sie sich Ausführung und Dosis am besten einmal zeigen.

Wichtig: Nutzen Sie den Arm im erträglichen Rahmen weiter – komplette Schonung macht die Sehne eher schwächer (dasselbe Prinzip wie bei der Achillessehne).

Was weniger oder nicht hilft

  • Kortison-Spritzen: Eine hochwertige Studie (Coombes, 2013, JAMA) zeigte: Eine Kortison-Spritze lindert kurzfristig, führt aber nach einem Jahr zu schlechteren Ergebnissen (83 % vs. 96 % erholt) und deutlich mehr Rückfällen (54 % vs. 12 %) als eine Scheinspritze. Für eine dauerhafte Genesung ist sie also meist nicht der richtige Weg.
  • Stoßwellentherapie (ESWT): Eine Meta-Analyse (Bisset, 2005) fand keinen überzeugenden Nutzen beim Tennisarm.
  • Passive Mittel wie TENS-Geräte, Salben oder Bandagen/Spangen bringen für sich allein wenig Nachhaltiges – bestenfalls kurzfristige Erleichterung.

Für Sie heißt das: Sparen Sie sich Zeit und Geld mit passiven „Wundermitteln” – nachhaltig wirkt das Training.

Was Sie selbst tun können

  • Belastung anpassen statt ganz schonen – reizende Tätigkeiten (festes Greifen, schweres Heben, Dauer-Mausklicken) vorübergehend reduzieren oder anders ausführen, den Arm aber im erträglichen Rahmen weiter benutzen.
  • Kräftigen – die Unterarmstrecker dosiert und schrittweise trainieren (am besten angeleitet).
  • Clever umgehen – dickere Griffe an Werkzeugen, Tätigkeiten auf beide Arme verteilen, Pausen einbauen.
  • Wärme & Geduld – Wärme kann kurzfristig entspannen; Sehnen brauchen Wochen bis Monate (mehr dazu unter Wundheilung).
  • Begleitfaktoren wie Schlaf und Stress im Blick behalten.

🩺 Wann Sie ärztlich abklären sollten (Warnzeichen)

  • Taubheit, Kribbeln oder deutliche Schwäche in Hand oder Fingern (Hinweis auf einen Nerv)
  • Schmerz nach Sturz oder Unfall, Schwellung, Rötung oder Fieber
  • keine Besserung trotz mehrwöchigem, gutem Training – oder zunehmende Beschwerden

Im Zweifel lieber einmal mehr abklären – bei uns auch ohne Rezept (Direktzugang). Ein MRT oder CT ist beim Tennisarm meist nicht nötig.

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich Tennis spielen, um einen Tennisarm zu bekommen? Nein. Meist entsteht er durch alltägliche Überlastung der Unterarm- und Handstrecker (Greifen, Heben, handwerkliche oder Bildschirmarbeit). Tennis ist nur eine von vielen Ursachen.

Geht ein Tennisarm von selbst wieder weg? Häufig ja: Rund 90 % bessern sich innerhalb eines Jahres. Mit gezieltem Training geht es meist schneller und nachhaltiger.

Was hilft am besten? Aktives Krafttraining der Unterarmstrecker (unter anderem exzentrisch). Studien zeigen: Übungstherapie schlägt Spritzen und passive Geräte auf lange Sicht.

Sollte ich eine Kortison-Spritze machen lassen? Meist nein. Sie lindert kurzfristig, führt aber zu schlechteren Ergebnissen und mehr Rückfällen nach einem Jahr.

Helfen Bandage, Salbe oder Stoßwelle? Für sich allein wenig nachhaltig. Eine Spange kann einzelne Tätigkeiten kurzfristig angenehmer machen, ersetzt aber kein Training.

Soll ich den Arm schonen? Nicht komplett. Reizspitzen reduzieren, aber den Arm dosiert weiter nutzen und kräftigen – Sehnen werden durch Belastung stärker.

Schmerzt Ihr Ellenbogen beim Zugreifen und geht nicht weg? Wir prüfen, was die Sehne gerade verträgt, und bauen mit Ihnen ein passendes, dosiertes Kräftigungsprogramm auf – auf Wunsch ohne Rezept (Direktzugang). Termin anfragen

Passend dazu: Achillessehne: welche Übungen wirklich helfen · Wundheilung: Wie Ihr Körper sich selbst repariert

Quellen (recherchiert über PubMed)

  • Ikonen J et al. Persistent Tennis Elbow Symptoms Have Little Prognostic Value: A Systematic Review and Meta-analysis. Clin Orthop Relat Res, 2022. DOI
  • Kim YJ et al. Efficacy of Nonoperative Treatments for Lateral Epicondylitis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Plast Reconstr Surg, 2021. DOI
  • Yoon SY et al. The Beneficial Effects of Eccentric Exercise in the Management of Lateral Elbow Tendinopathy: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Clin Med, 2021. DOI
  • Coombes BK et al. Effect of corticosteroid injection, physiotherapy, or both on clinical outcomes in patients with unilateral lateral epicondylalgia: a randomized controlled trial. JAMA, 2013. DOI
  • Bisset L et al. A systematic review and meta-analysis of clinical trials on physical interventions for lateral epicondylalgia. Br J Sports Med, 2005. DOI

Wichtiger Hinweis (Disclaimer): Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen, evidenzbasierten Aufklärung und ersetzt keine individuelle ärztliche oder physiotherapeutische Diagnose, Beratung oder Behandlung. Die genannten Studienergebnisse beziehen sich auf Bevölkerungsgruppen und lassen keinen unmittelbaren Rückschluss auf Ihren persönlichen Fall zu. Bei Warnzeichen wie Taubheit, deutlicher Schwäche, Schmerz nach Unfall oder ausbleibender Besserung wenden Sie sich bitte an eine Ärztin bzw. einen Arzt oder an uns. Im medizinischen Notfall wählen Sie die 112, außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.